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Und der Vorhang fällt 23. Oktober 2006

Posted by Micha in Brasil 2006, Offroad.
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They drove back through the dawn, while the cassette player played J. S. Bach’s Mass in B Minor, vocals by F. Mercury.
(Neil Gaiman & Terry Pratchett , Good Omens)

Irgendwie sitz ich nun doch im Flieger gen Heimat und versuche die Geschehnisse zu rekonstruieren. Bis halb Fünf dauerte die Abschiedsparty — Open Bar kommt zu solchen Anlässen eher ungelegen. Danach McDonalds und ein etwa einstündiger Weg zum Flughafen (wir toppten ihn, möglicherweise auf Kosten der Stoßdämpfer und einiger Lebensjahre diverser Beteiligter). Um 6.30 sollte mein Flug gehen und die Warteschlange vor der Gepäckaufgabe der TAM war nicht gerade kurz…
In guter Tradition des Blogs ein schneller Rundgang durch die Geschehnisse.
Letzte Woche Mittwoch kam ich aus Rio zurück und die nächsten Tage wurde mehr oder weniger sinnvoll zur Erholung benutzt. Das Timing war perfekt. Marco sollte Samstag Morgen seine hoffentlich vorletzte Prüfung schreiben. Der Höhepunkt dieser Tage war eigentlich der Besuch des größten Stadions der Stadt, Mineirão. Cruzeiro — Ronaldo startete hier seine Karriere — gewann am Ende 2:1. Der überraschenderweise fast ausverkaufte Betonriese vibrierte unter den Füßen der Fans. Die ‘Mafia Azul’ machte ihrem Namen alle Ehre und dank der vergleichsweise geringen Sicherheitsstandards verschafften sich ihre Anhänger neben mir mit Gaspistolen druckvoll Gehör. Letztendlich erreichte ich den Samstag (zu großen Teilen in der Sauna).

Es war Karneval. Abgesehen vom großen Karneval im Februar, dessen bekanntesten Vertreter Rio liefert, finden in Brasilien das ganze Jahr hindurch kleine, lokale Parties statt. Nicht die Art von Karneval, in welcher geschmückte Tänzerinnen durch das Sambadrom ziehen, aber es wird doch die gleiche Art von Musik gespielt. Und die Menschen haben mindestens genausoviel Spaß. Einige Freunde waren gekommen und in der Bar lernte ich die wahre Bestimmung von Löffeln. Die Party war zweigeteilt. Für welche Klasse man sich auch entschied, diese Shirts mussten getragen werden. Die Frauen personalisierten sie zum Teil sehr stark (und sehr kurz). Um einen Eindruck zu bekommen wie die Stimmung war: Marco machte ersteinmal eine Rolle an den Sicherheitsleuten vorbei. Andere Aktivitäten sind auf dem Bild zu erkennen.
Der Sonntag begann dann umso härter. Kennt ihr arabische Basare? Dann habt ihr einen guten Eindruck von dem was mich erwartete. Mittags war ich im Haus der Großeltern zum Essen. Die ganze Familie war anwesend. Es war wirklich sehr schön, auch wenn wir nur kurz bleiben konnten, weil wir nachmittags bei Carol eingeladen waren, deren Mutter auch gekocht hatte.

Und der Montag knüpfte nahtlos daran an. Abschiedsessen mit der Familie im besten All-You-Can-Eat-Restaurant der Stadt. Nachdem der Wagen — wie hier üblich — von einem der Angestellten geparkt wurde, flitzten permanent etwa fünf Kellner um den Tisch. Solange man die grüne Karte zeigte, wurde serviert und zwar schnell. Marcos Vater überraschte mit dem Geständnis, dass er in seiner Jugend selbst viel Gin Tonic getrunken habe

Es glitzert so schön im Schwarzlicht.

Außerdem wies er Marco darauf hin, dass noch zwei weitere Flaschen Gin in der Bar seien. Für den Tonic sorgte die Mutter am Tag darauf.

Am Dienstag realisierte ich, dass mir nur noch dieser und der nächste Tag in Brasilien blieben (um ehrlich zu sein realisierte es Marco, der sich nocheinmal ganz genau meine Flugtickets anschaute).Ich wollte also endlich meine Postkarten abschicken und letzte Besorgungen machen. Marcos Onkel beeindruckte mich mit einer Gitarrensession. Brasilianische, deutsche, ecuadorianische, italienische, mexikanische und spanische Musik. Ein Akrobat!
Am Ende wollte er dann über Physik diskutieren und fragte mich was ‘Energie’ sei. Die Frage ist alles andere als einfach und meine Antworten darauf würden wohl sehr unterschiedlich ausfallen — abhängig vom Gesprächspartner. Ich versuchte es einfach — er kam mit Stringtheorie. Ich war sprachlos. Den Abend beendeten wir in einem weiteren Club.

Nachdem ich Mittwoch Morgen meine Tasche gepackt hatte, war ich gegen Mittag bei Rique und Renatos Eltern, Marcos Onkel und Tante zum Essen eingeladen. Nachmittags besuchten wir eine Cachaça-Brennerei mit angeschlossenem Zoo im Vale Verde.

Und hier schließt sich der Kreis. Gegen Abend verabschiedete ich mich von all denjenigen, die ich nicht mehr sehen würde, und ging mit den üblichen Verdächtigen feiern. Es hat wirklich großen Spaß gemacht. Ich versuche mich an einem Fazit. Ich scheitere. Vielleicht ist es auch gar nicht nötig. Der letzte Satz von Marcos Vater wird mir immer in Erinnerung bleiben:

Das Haus steht dir und deiner Familie immer zur Verfügung.

Freunde, Brüder und Schwestern! Wir sehen uns bald wieder!